Auslegung zum Schuljahresabschlussgottesdienst – „Geschafft“
Auslegung zum Schuljahresabschlussgottesdienst – „Geschafft“ Geschafft. Ich kann mir gut vorstellen, dass das genau das ist, was der Jünger Petrus sich dachte, als er dann tatsächlich sicher in Jesu Armen war. Geschafft. Das war bestimmt auch die Hoffnung des Volkes, zu dem Gott eben in der Lesung von Befreiung, von Heil und von Erlösung gesprochen hat. Geschafft. Das denken wahrscheinlich auch die allermeisten unter uns heute Morgen. Es gibt oft zwei Arten von „Geschafft“: Einmal ein locker leichtes „Juhu, Geschafft!“, oder eher ein trübes und erschöpftes „Puh, Geschafft“. Und Geschafft lässt sich ja auch auf zwei Weisen verstehen. Einmal bedeutet es: „Ich habe etwas geschafft“, ein andernmal bedeutet es eher: „Ich bin geschafft, bin erschöpft und aus der Puste“. Ich glaube, bei Petrus war es eine Mischung aus beidem – das ist es glaube ich auch bei uns oft am letzten Schultag. Das hängt dann einerseits zusammen mit der gerade so überstandenen Klausur- und Klassenarbeitsphase und vielleicht auch mit einigen Fächern, in denen es trotz Anstrengung nicht so recht zu einer guten Note gereicht hat. Und manchmal, da klingt auch in dem Geschafft eine Angst auf zukünftiges mit. Zum Beispiel in dem Rollenspiel, das wir am Anfang gesehen haben: Einerseits ist Lea bestimmt total fröhlich darüber, dass endlich das Schuljahr vorbei ist und die Sommerferien anstehen, andererseits ist es ihr aber auch ein bisschen peinlich, dass sie in den Sommerferien mit ihrer Familie gar nicht wegfahren kann. Wir haben oft diese Kombination aus Freude und aber auch ein bisschen Angst. Vielleicht auch Angst vor dem nächsten Schuljahr. Ich glaube, in dieser Angst oder in dieser Verunsicherung fühlen wir uns dann oft ganz isoliert. Da kommt es einem manchmal fast peinlich vor, darüber wirklich mit jemanden zu sprechen, sich jemandem zu öffnen. Und das muss ja nicht nur in der Schule so sein: Auch privat gibt es immer wieder solche Momente, in denen ich einfach nicht mehr weiter weiß und mich total verloren fühle. Das sind dann die Momente, wo wir – wie die Jünger im Boot – vom Gegenwind heftig hin und her geschleudert werden. Wir fühlen uns, als hätten die Wellen der Unruhe uns fest im Griff und als wäre gar keine Freiheit, kein Frieden mehr in Sicht. Als die Jünger in dieser Situation waren, kam Jesus. Aber Jesus kam nicht erst, als sie schon wieder am Ufer angekommen waren. Jesus ist auch nicht aus der Höhe herabgeflogen – und eines hat er erst recht nicht getan: Er hat sie niemals im Stich gelassen. Und dann kommt Jesus – so ganz anders, als die Jünger es erwartet hatten, sie halten ihn ja zunächst sogar für ein Gespenst. Aber dann kommt er näher auf sie zu und ermutigt sie, ihm zu vertrauen, er gibt sich zu erkennen. Und vielleicht gibt er sich ja nicht nur zu erkennen, weil er sagt: „Ich bin es“. Vielleicht ist Jesus ja gerade auch daran erkennbar, dass er seine Jünger und auch uns im Sturm nicht im Stich lässt. Dann sagt Petrus zu Jesus: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!“ und darauf antwortet Jesus: „Komm!“. Das klingt ja erstmal ziemlich einfach, oder? Und ich glaube in diesem Ruf steckt noch viel mehr, als nur das Wort „Komm!“ Und was dahintersteckt, das können wir glaube ich gut in der Lesung entdecken, die wir eben gehört haben. Da heißt es: „Ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ Und darin steckt noch mehr: „Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, / wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort“. Gott ruft uns beim Namen. Nicht die perfekte, sturm- und wellenlose, selbstgenügsame Version von uns, sondern einfach nur uns. Und ich glaube genau so ruft Jesus Petrus zu sich. Aber nicht nur Petrus ist so gerufen, sondern jeder einzelne von uns. Wir wollen oft nicht schwach wirken, sondern stark sein, wollen alles alleine schaffen können – aber dann übernehmen wir uns und beginnen – wie Petrus – unterzugehen. Gott ist aber nicht der, der von uns die pure Perfektion erwartet. Nein, er ist sanft. Als Petrus ins Wasser fällt und untergeht, da bleibt Jesus ja auch nicht einfach stehen, guckt zu und sagt: „Tja, hast du wohl Pech gehabt“. Nein, Jesus zögert nicht eine Sekunde, er streckt seine Hand heraus und zieht Petrus zu sich herauf. Wir verlieren uns so oft in all dem, was uns umgibt – in all den Sorgen, all den Unsicherheiten und all dem, was uns vielleicht peinlich ist und worüber wir nicht so richtig reden wollen. Das sind dann unsere Wellen, die Wellen, vor denen wir – wenn auch im Leisen – Angst haben und in denen wir drohen, unterzugehen. Aber genau wie die Jünger im Boot sucht Gott auch uns – auch im Sturm. In der Lesung, die wir eben zuerst gehört haben, heißt es: „Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist / und weil ich dich liebe“ – Gott hat uns echt lieb. Nicht einfach unpersönlich, weil er ja alle lieb hat. Nein, er hat wirklich jeden einzelnen ganz persönlich lieb. Und das ist finde ich etwas, was uns auch im tiefsten Sturm ein bisschen Ruhe schenken kann: Das Wissen, dass ich in diesem Sturm nicht alleine bin. Dass mich jemand sieht, dass Jemand da ist und mir einfach nur zuhört. In der Lesung sagt Gott dem Volk Israel seine Treue zu: Durch alle Stürme, durch alle Wellen, in allen Flammen, die dem Volk über den Weg laufen, verspricht Gott, es zu beschützen und bei ihm zu sein. Dieses Versprechen gilt auch für uns. Denn in der Lesung spricht Gott zu uns und richtet heute sein gutes und aufrichtendes Wort an uns.